In schwierigen Zeiten von Krankheit, seelischer Belastung oder persönlichen Krisen suchen viele Menschen nicht nur nach Unterstützung, sondern auch nach Austausch mit Menschen, die ihre Situation verstehen. Selbsthilfegruppen bieten hier eine wertvolle Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und gemeinsam Wege zur Bewältigung zu finden. Doch was genau sind Selbsthilfegruppen, wie funktionieren sie und wie können sie konkret bei den Schwierigkeiten helfen?
Selbsthilfegruppen sind Zusammenschlüsse von Menschen, die von einer gleichen oder ähnlichen Erkrankung oder belastenden Lebenssituation betroffen sind. Sie treffen sich dazu regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Dabei findet die Gruppe selbst Wege zur Unterstützung der einzelnen Gruppenmitglieder zum Beispiel durch die Suche nach gemeinsamen Lösungen. Dabei können die Themen ganz unterschiedlich sein: von chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Rheuma über psychische Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen bis hin zu sozialen Herausforderungen wie Trauerbewältigung oder Suchtproblemen – das Spektrum der Selbsthilfegruppen ist weit.
Alle Selbsthilfegruppen haben gemein das sie auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und Eigenverantwortung basieren. Sie unterscheiden sich von professionellen Therapieangeboten vor allem dadurch, dass sie von Betroffenen selbst organisiert werden und nicht von Fachpersonal angeleitet werden. Die Mitglieder teilen in den Treffen ihre persönlichen Erlebnisse, geben einander Tipps und bieten emotionale Unterstützung. Die Gruppentreffen sind oft strukturiert und verlaufen in einem geschützten Rahmen, der Vertraulichkeit und Offenheit für die Teilnehmenden gewährleistet.
Wichtige Merkmale von Selbsthilfegruppen sind:
- Freiwilligkeit: Die Teilnahme an den Treffen ist freiwillig und unverbindlich. Eine Ausnahme besteht in der Suchthilfe, wo der Besuch von Selbsthilfegruppen teil der Behandlung ist.
- Gleichberechtigung: Alle Mitglieder stehen auf Augenhöhe. Es können sich Personen herauskristallisieren, die für die Gruppe sprechen oder gewisse Aufgaben zur Organisation übernehmen.
- Erfahrungswissen: Der Austausch von persönlichen Erfahrungen steht im Vordergrund. Fachpersonal ist für gewöhnlich nicht anwesend. Sie können jedoch für einzelne Sitzungen für Vorträge oder Workshops von den Selbsthilfegruppen eingeladen werden.
- Vertraulichkeit: Alles, was in der Gruppe besprochen wird, bleibt auch in der Gruppe.
Selbsthilfegruppen bieten viele Vorteile für ihre Mitglieder und bilden einen starken Eckpfeiler in der Gesundheitsprävention. Mitglieder erfahren, dass sie nicht allein mit ihren Schwierigkeiten sind und es Menschen gibt, denen sie sich gegenüber nicht erst erklären müssen. Das kann eine große Erleichterung sein. Der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, gibt dadurch vor allem Trost und Halt. Die Mitglieder erhalten auf Wunsch zudem praktische Tipps und Anregungen, wie sie mit ihrer Situation besser umgehen können.
Durch die aktive Teilnahme und die gegenseitige Unterstützung gewinnen viele Mitglieder langsam neues Selbstvertrauen. Es kann auch ein Gefühl der Zugehörigkeit entstehen und das eigene Netzwerk um diese Person erweitern. Selbsthilfegruppen können außerdem dazu beitragen, dass Freunde und Familie entlastet werden, da die Betroffenen in der Gruppe einander Verständnis vermitteln und sich helfen.
Wer nach einer Selbsthilfegruppe sucht, hat verschiedene Möglichkeiten. In vielen Städten und Regionen gibt es zentrale Anlaufstellen, die Informationen zu bestehenden Gruppen bieten. Eine Übersicht über die verschiedenen Stellen und Konaktmöglichkeiten finden Sie auf https://www.selbsthilfe-sh.info/. Ein Teil der Selbsthilfegruppen haben zudem Webseiten oder nutzen soziale Netzwerke, um neue Mitglieder zu erreichen. Auch Ärzte und Therapeuten können bei der Vermittlung in Selbsthilfegruppen behilflich sein. Zuletzt unterstützen die meisten Krankenkassen die Selbsthilfe und stellen entsprechende Informationen für ihre Versicherten zur Verfügung.
In den letzten Jahren haben sich auch immer mehr Online-Selbsthilfegruppen etabliert. Sie bieten eine flexible Alternative für Menschen, die aus zeitlichen, geografischen oder persönlichen Gründen nicht an physischen Treffen teilnehmen können. Foren, Videochats und soziale Medien ermöglichen den Austausch über Entfernungen hinweg und bieten eine niedrigschwellige Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen.
Obwohl Selbsthilfegruppen eine wertvolle Unterstützung für Betroffene bieten können, sind sie kein Ersatz für professionelle medizinische oder psychologische Hilfe. Bei schweren Erkrankungen oder akuten Krisen ist es deswegen wichtig, zusätzlich professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
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